Was elektronische Schaltungen in Dateien speichern
Elektronische Gruppen schalten nicht nur: Dein Radcomputer kann jeden Schaltvorgang mit exaktem Kettenblatt und Ritzel mitschreiben. So wird jede Ausfahrt zum Protokoll darüber, wie du deinen Antrieb wirklich nutzt.
Was in der Datei landet
Ist eine Shimano-Di2- oder SRAM-AXS-Gruppe mit einem kompatiblen Radcomputer gekoppelt, schreibt das Gerät bei jedem Schaltvorgang ein Ereignis in die FIT-Datei. Jedes Ereignis trägt einen Zeitstempel und die Position von Umwerfer und Schaltwerk, meist als Gangnummer und als Zähnezahl von Kettenblatt und Ritzel. Die 1-Hz-Werte für Geschwindigkeit, Trittfrequenz, Leistung und Herzfrequenz stehen in derselben Datei, sodass sich jeder Schaltvorgang auf der Zeitachse der Ausfahrt verorten lässt.
Mehr enthält die Datei nicht: eine Liste wie „um 10:42:17 wechselte der Antrieb auf 50×17“. Alles andere, etwa wie lange du in einem Gang warst, ergibt sich aus der Zeitachse zwischen den Ereignissen. GearWatts macht genau das und summiert Zeit, Distanz, Leistung, Trittfrequenz und Tempo für jede Kombination aus Kettenblatt × Ritzel. Es speichert Summen statt Mittelwerte, damit sich viele Ausfahrten später exakt addieren lassen, für eine Saison oder ein Rad.
Zähne oder Index: warum das zählt
Manche Geräte schreiben die Zähnezahlen, andere nur den Index (Kettenblatt 1 oder 2, Ritzel 1 bis 12). Der Index ist ohne Kenntnis des Antriebs mehrdeutig, und die Konventionen unterscheiden sich je nach Marke. Kommt nur der Index an, löst GearWatts ihn mit dem im Rad-Profil gespeicherten Antrieb auf (Kettenblatt 1 ist das kleine, Ritzel 1 das größte). Zähnezahlen werden, wenn vorhanden, unverändert verwendet.
Zwei praktische Folgen. Erstens: Trag deine echten Kettenblätter und deine Kassette im Rad-Profil ein, bevor du Ergebnisse beurteilst; ein 34er-Ritzel, das in Wahrheit ein 32er ist, verschiebt alle Zahlen. Zweitens: Daten können falsch sein. Ein älterer Radcomputer schrieb an einem Rad über ganze Ausfahrten „Kettenblatt 7, 24 Zähne“, was bei einem Zwei- oder Dreifachantrieb unmöglich ist. Ein vernünftiger Analysator verwirft solche Werte und behandelt den Gang als unbekannt, statt den vorherigen zu übernehmen; GearWatts macht das so.
Was du daraus lernen kannst
Zeit und Leistung je Kombination. In welchen Gängen lebst du wirklich? Viele merken, dass zwei oder drei Kombinationen fast die ganze Zeit abdecken und die Enden der Kassette nur Minuten pro Monat genutzt werden.
Gang nach Steigung. Werden die Messpunkte in 1-%-Klassen der Steigung gruppiert, siehst du den gewählten Gang, den Zeitanteil auf dem großen Blatt sowie Trittfrequenz und Tempo bei jeder Steigung. Das ist das ehrliche Bild deiner Übersetzung: Sitzt du bei 8 % auf den letzten zwei Ritzeln mit 60 U/min, liegt das Problem nicht an den Beinen, sondern an den Übersetzungen.
Schaltverhalten. Schaltvorgänge pro Stunde in Bewegung, vorne gegen hinten, der Median der Zeit zwischen zwei Schaltvorgängen und „schnelle Rückschaltungen“ (ein Schaltvorgang wird binnen 10 Sekunden rückgängig gemacht, ein Zeichen für falsche Gangwahl). GearWatts vergleicht außerdem die Trittfrequenz in den 5 Sekunden vor und nach jedem Schaltvorgang hinten und zählt Schaltvorgänge, bei denen deine Leistung über der FTP lag; das belastet die Kette und zeigt mangelnde Voraussicht.
Kreuzlauf. GearWatts markiert das große Kettenblatt mit den drei größten Ritzeln oder das kleine mit den drei kleinsten. Diese Kombinationen laufen mit schräger Kette, erzeugen Reibung und Geräusch und sind oft unnötig, weil eine Nachbarkombination fast dieselbe Entfaltung liefert (siehe Entfaltung in Metern pro Kurbelumdrehung).
Ein Beispiel: Kassette wechseln?
Nimm einen Fahrer mit 50/34 und einer 11-34. Nach 20 Ausfahrten zeigt die Nutzungstabelle mit der Zeit je Gang:
| Kombination | Zeitanteil | Typische Trittfrequenz |
|---|---|---|
| 50×15 – 50×19 | 41 % | 86–92 U/min |
| 34×21 – 34×27 | 33 % | 78–84 U/min |
| 50×11 – 50×12 | 1,5 % | 95 U/min |
| 34×30 – 34×34 | 4 % | 66 U/min |
(Beispielwerte.) Die kleinsten Ritzel werden fast nie genutzt, die größten nur an den steilsten Rampen mit 12 %. Es gibt zwei Optionen. Das 34er behalten, aber auf eine 11-30 wechseln: Die Stufen in der Mitte werden ein bis zwei Prozentpunkte feiner, und du verzichtest auf 34×34 nur für die wenigen Minuten, in denen die Trittfrequenz ohnehin auf 66 U/min fällt. Oder, wenn genau diese Rampen der Grund sind, warum du fährst, das 34er behalten und den Sprung akzeptieren. Die Daten sagen dir nicht, was du kaufen sollst, aber sie ersetzen „ich glaube, ich brauche ein größeres Ritzel“ durch eine Zahl: 4 % der Zeit.
Auch die Schaltfrequenz will eingeordnet sein: 140 Schaltvorgänge pro Stunde, davon 20 vorne, sind in welligem Gelände völlig normal und kein Fehler. Auffällig wird es erst, wenn viele davon schnelle Rückschaltungen sind oder unter Last passieren, also bei Leistungen über der FTP. Vergleiche deshalb Ausfahrten mit ähnlichem Profil und achte auf Veränderungen über die Wochen, nicht auf einen einzelnen Wert.
Dieselbe Überlegung gilt pro Anstieg: GearWatts zeigt den Gang jedes Abschnitts eines Anstiegs und eine Markierung bei jedem Schaltvorgang, sodass du siehst, ob dir auf der letzten Rampe die Gänge ausgingen (siehe wie Anstiege erkannt und kategorisiert werden).
Einschränkungen, die du kennen solltest
- Nicht jeder Radcomputer zeichnet Schaltvorgänge auf. Das Gerät muss das Schaltprotokoll unterstützen (ANT+ oder Bluetooth), und die Option muss aktiv sein. Ohne Schaltereignisse lassen sie sich nachträglich nicht rekonstruieren. Eine Ausfahrt auf demselben Rad vor dem Koppeln hat schlicht keine Gangdaten.
- Manche Dienste entfernen sie. Plattformen, die dir die Aktivität über eine API liefern, lassen Schaltereignisse und die FIT-Originaldatei oft weg. Kommt eine Ausfahrt doppelt an, bevorzugt GearWatts die FIT-Version, weil sie Schaltvorgänge und Tretdaten enthält. Für einen vollständigen Export siehe FIT-Dateien exportieren.
- Gang vor dem ersten Schaltvorgang. Die Datei beginnt mit dem ersten Wechsel. GearWatts nimmt für die Zeit davor den ersten aufgezeichneten Gang an; ein paar Minuten am Anfang können falsch sein.
- Synchro- oder Halbautomatik-Modi. Schaltet das System am Kassettenende selbst das Kettenblatt, sind das echte Ereignisse, aber nicht deine Entscheidungen; beachte das beim Vergleich von „Schaltvorgängen pro Stunde“ zwischen Fahrern oder Rädern.
- Stichprobe, keine Wahrheit. Eine Ausfahrt im Wind, in der Gruppe oder ein Rennen verändert das Bild. Vergleiche ähnliche Ausfahrten und betrachte Wochen statt eines Tages.
Richtig eingesetzt beantworten Schaltdaten, was Leistung und Herzfrequenz nicht können: nicht, wie hart du gearbeitet hast, sondern wie gut dein Antrieb dich dabei unterstützt hat.